“Wer von Leipzig kommt ohne Weib, / von Wittenberg mit gesundem Leib, / von Jena ungeschlagen, / der hat von großem Glück zu sagen.” Wittenberg an der Elbe war im 18. Jahrhundert eine agrarisch geprägte Stadt und zugleich Sitz der bedeutenden Universität Leucorea. In einem verbreiteten Spottvers hieß es jedoch, dass ein Studium an dieser Hochschule die Gesundheit gefährde. Dagegen wandte sich im Jahr 1736 der Wittenberger Medizinprofessor Christian Gottfried Stentzel in seiner lateinischen Antrittsvorlesung. Sein Kollege Georg Wilhelm Kirchmaier, Professor für Griechisch, hielt gleich zwei lateinische Reden dazu (1725, 1746) und der gelehrte Naturkundler Johann Daniel Titius nutzte 1781 naturwissenschaftliche und statistische Daten, um aufgeklärt über die “natürlichen Gesundheitsmittel, die Wittenberg vorzüglich hat“, zu sprechen.
Diese Abhandlungen werden hier erstmals zweisprachig präsentiert und erschlossen. Sie legen dar, wie Wittenberg die Gesundheit seiner Bevölkerung fördert, und beschreiben dabei ausführlich und detailliert die gesunde Umwelt der Stadt. Krankheiten entstehen, so heißt es, vor allem durch die sitzenden Tätigkeiten und die langen Arbeitsstunden der Gelehrten sowie durch die Exzesse der Studenten, die lange schlafen, mit Wagen fahren statt zu laufen und die übermäßig Tee, Kaffee, Wein und das vor Ort gebraute, “Kuckuck” genannte Bier trinken. Tatsächlich sei eines der wichtigsten “Gesundheitsmittel” Wittenbergs seiner Universität, die bedeutsam zur Bildung und zur Aufklärung beitrage. Wer also in Wittenberg studiert, hat von großem Glück zu sagen!
Kai Brodersen:
Wittenberg und seine Umwelt im 18. Jahrhundert.
Drei lateinische Abhandlungen. Zweisprachige Ausgabe.
Speyer 2026. 298 Seiten mit 11 Abb., ISBN 978-3-911973-21-2, 12 €
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