Meienbergstrasse

Haus zum Roten Schild

Erfurt, Meienbergstraße 5 (Haus zum Roten Schild)

Die Meienbergstraße (früher Meymer-, Meimer- oder Eimergasse) bildet als ein innenstädtischer Abschnitt der alten europäischen Handelsstraße Via Regia die Verbindung von der Krämerbrücke und dem Wenigemarkt im Westen zum Anger und der Kaufmannskirche im Osten.

Die Straße war seit dem Mittelalter ein wichtiger Verkehrsweg im sog. Kaufmannsviertel (Mercatorum); die ansässigen Händler und Handwerker wurden aber wiederholt Opfer von Stadtbränden, so zuletzt 1538: „Freitags nach Lichtmeß Nachmittag um 3 Uhr“, also am 8. Februar 1538, wurden die Gebäude in der “Meimergasse” durch Feuer zerstört, darunter das Haus auf dem Grundstück Mercatorum 28; nur der mittelalterliche Gewölbekeller blieb (bis heute) bewahrt.

Auf dem Grundstück Mercatorum 28 wurde bald nach 1538 wieder ein Haus errichtet und nach einem Hauszeichen als “Haus zum Roten Schild” benannt (1585 brannte das gegenüberliegende, ebenfalls nach 1538 wiederrichtete “Haus zur güldenen Flasche” [Nr. 25] erneut ab, nicht aber das “Haus zum Roten Schild”).

Ein Handwerkerhaus aus dem 16. Jahrhundert, das auf mittelalterliche Vorgängerbauten zurückgeht, bildet also den Kern des “Hauses zum Roten Schild”. Anders als die benachbarten Bauten, die im 19. Jahrhundert verändert wurden, blieb der verputzte Fachwerkbau in Kubatur, Raumaufteilung und Geschoßhöhen bei unserer denkmalgerechten Sanierung durch die Bauhütte Mühlhausen 2008/09 erhalten. Die Stadt Erfurt und die IG Erfurter Grüne Hausnummer der Bürgerstiftung Erfurt haben das Haus 2011 „für bewußten Umgang mit Fauna und Flora, wohngesundes Bauen mit regionalen Produkten und nachhaltigen Umgang mit Energieträgern zur Erreichung der Ziele der AGENDA 21“ mit der „Grünen Hausnummer“ ausgezeichnet.

Den seit 1680 vorliegenden Verrechtsbüchern können die Eigentümer des Hauses entnommen werden (angeführt sind nach den Namen jeweils die laufende Nummer, der Stadtbezirk – hier Merc[atorum] = Kaufmannsviertel -, der Band und das Jahr):

  • Leich, Hans, Böttner     66. Merc. 37. 1680    
  • Jacob, Hans Melchior, Böttner     66. Merc. 37r. 1685. 71. Merc. 20. 1693. 78, Merc. 28. 1716
  • Jacob, Wwe.     95. Merc. 53. 1734
  • Heider (Heyder), Johann Georg, Teppichmacher     95. Merc. 53. 1753. 97. Egid. 78. 1753. 114. Merc. 22. 1754
  • Heider, Wwe., dann wieder verehel. Ochsenfurt     114. Merc. 22, 1767
  • Ochsenfurt, Johann Georg, Glaser & Branntweinschenk, namens seiner Ehefrau verw. gew. Heider     114. Merc. 22. 1769. 120. Merc. 18. 1774
  • Ochsenfurt (Oxfort), Wwe. Marie Elisabeth geb. Tröster, dann wieder verehel. Bartholmä, & 3 Kinder [1. Oxfοrt, Rebekka Susanne, 2. Oxfort, Johann Andreas, 3. Oxfort, Johann Georg]     120. Merc. 18. 1817
  • Abel, Friedrich Wilhelm, Kaminfeger     120. Merc. 18. 1825
  • Wellmann, Johann Gottfried, Weber, & Ehefrau Elisabeth geb. Karl     120. Merc. 17c. 18. 1827
  • Hohndorf, Gustav, Böttcher, & Braut Christine Marie Seidler     136. 1835
  • Cramer, Johann Nikolaus, Schuhmacher, & Ehefrau Marie Sophie geb. Müller     136. 1846

    Wir haben das Haus von den Erben des letzten Besitzers gekauft, dem langjährigen Hausmeister des benachbarten Hauptpostamtes von Erfurt.

Grundstücksbezeichnungen:

  • 1680 (Stadtlagerbuch): Mercatorum 28
  • 1716: Meymergasse/Meimergasse, Haus zum Rothen Schilde (Im Stadtlagerbuch von 1717ff wird das Grundstück gemeinsam mit dem Nachbarhaus [Nr.6] vorübergehend als „Haus zum Bunten Faß und Roten Schilde“ bezeichnet)
  • 1826: Nr. 1351
  • 1870: Eimergasse 5
  • 1938: Meienbergstraße 5

Quellen: Volcma(rus) Wendel(ius), Kurtzer Historische [!] Entwurff deren … Erfurttisch Feuer-Brünsten, Erfurt 1711; Heinrich Ernst Seebach, Erffurthische Feuer-Chronicka, Erfurt 1736; Otto Rollert, Einwohner, Häuser und Gärten vom Ende des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Manuskript Erfurt o.J., Bd. 8.1, S. 10 (Stadtarchiv Erfurt, Sign. 5/201-8/1; Rollert hat die Angaben in den sog. Verrechtsbücher ausgewertet; die Belege nennen jeweils die laufende Nummer, den Stadtbezirk – hier Merc[atorum] = Kaufmannsviertel -, den Band und das Jahr).