In Burgtonna bei Gotha fanden Bauern im Jahr 1695 im tiefen Sand etwas Ungewöhnliches: Als „Unicornu fossile“. Als ein aus einem „Spiel der Natur“ entstandenes mineralisches und heilkräftiges Gestein deuteten es Gothaer Mediziner. Als Skelett eines von der Sintflut nach Tonna getragenen Elefanten verstand es hingegen der Gothaer Hofhistoriker Wilhelm Ernst Tentzel; übrigens war der Gothaer Herzog Träger des Elefantenordens.
Tentzel publizierte seine Deutung erstmals auch in der internationalen Gelehrtensprache Latein, sandte sie zusammen mit Fundstücken aus Tonna an Gelehrte in ganz Europa und trat auch in einen Briefwechsel mit dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. So wurde die internationale wissenschaftliche Debatte über den Fund auf Latein geführt: War der Fund von der Natur vor Ort in diese Form gebracht worden? Oder war während der Sintflut ein Elefant aus fernen Ländern nach Thüringen gelangt? Ein anderes Verständnis schien um 1700 undenkbar, da Bibel nur eine Schöpfung und dank der Rettung der Tierwelt während der Sintflut auf der Arche Noah auch kein Aussterben von Arten nennt.
Eine Antwort, die Leibniz im unpublizierten lateinischen Briefwechsel mit Tentzel bereits andeutet, fand man erst viel später, als neue Erkenntnisse zur Erdgeschichte und zum Klimawandel diese und spätere Funde „vorsintflutlicher“ Tierknochen mit der Verbreitung des seither ausgestorbenen Waldelefanten in Europa während der Warmzeiten erklärten. Die in den ersten Jahren nach dem Fund auf Latein publizierten Schriften und Briefwechsel werden hier zweisprachig zugänglich gemacht und eröffnen einen authentischen Einblick in die Vorgeschichte der Paläontologie und Geologie.
Kai Brodersen: Der Elefant von Tonna. Lateinische Abhandlungen und Briefwechsel 1696-1701. Zweisprachige Ausgabe. Speyer 2026. 262 S. mit 19 Abb. ISBN 978-3-911973-23-6, € 11
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