Festungsstadt Wittenberg

Wittenberg an der Elbe wurde im 16. Jahrhundert für die sächsischen Kurfürsten zu einer wichtigen Stadt. Davon zeugen bis heute das Schloss, die Schlosskirche und die Befestigungsanlagen. Während das große Rom im Jahr 1547 erobert wurde, widerstand Wittenberg zwanzig Jahre später einer Belagerung und ergab sich erst nach der Gefangennahme des Kurfürsten.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erlangte Wittenberg als westliche Grenzfestung Sachsens erneut große Bedeutung. Für die Befestigung übernahm man nun die neue Militärarchitektur, die auf geometrischen Lehren beruhte. Dies faszinierte auch den jungen Georg Wilhelm Kirchmaier (1673-1759), der 1696 und 1697 zwei lateinische Abhandlungen mit konkreten Vorschlägen vorlegte, wie die Festungsstadt Wittenberg noch sicherer werden könnte. Kirchmaier legte diese Arbeiten 1703 und 1750 erneut vor. Sie hätten die Stadt wohl wirklich besser schützen können, wurden aber nicht umgesetzt.

Dass Wittenberg im Jahr 1760 erobert und weitgehend verbrannt wurde, musste Kirchmaier aber nicht mehr erleben. Seine Abhandlungen veranschaulichen die Verbindung von Theorie und Praxis der Stadtbefestigung im Barock und zeigen die dafür nötige enge Verbindung beider Bereiche. Die Schriften waren lange Zeit vergessen und werden nun erstmals zweisprachig vorgelegt und erschlossen.

Kai Brodersen: Festungsstadt Wittenberg. Lateinische Abhandlungen von Georg Wilhelm Kirchmaier (1673–1759). Zweisprachige Ausgabe. 182 Seiten mit 21 Abbildungen, kartoniert. Speyer 2026, ISBN 978-3-911973-25-0, 10 €

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