Wie schreibt man lateinische Texte richtig, wenn deren moderne Aussprache keine eindeutige Antwort mehr gibt? Eine didaktisch klug präsentierte Antwort gibt der Portugiese Arius Barbosa (um 1475 – 1540). In Salamanca war er nach dem Studium in Italien der erste Professor für Griechisch auf der Iberischen Halbinsel überhaupt und zudem Professor für Latein.
In seiner Schrift „De Orthographia“ (1517) erstellt Barbosa erstmals aus dem verstreuten Wissen antiker und zeitgenössischer Grammatiken eine systematische „Kunst des richtigen Schreibens“. Dafür unterscheidet er fünf Klassen orthographischer Zweifelsfälle – Vokale, Diphthonge, Doppel- und Einzelkonsonanten, Aspiration – und entwickelt Regeln für die lateinische Rechtschreibung. Er verbindet eine genaue Beobachtung des antiken und des zeitgenössischen Lateins mit griechischer Sprachkenntnis, antiker Gelehrsamkeit und einem ausgeprägten Bewusstsein für den Wandel sprachlicher Normen.
Barbosas ebenso gelehrte wie praxisorientierte Arbeit zur Geschichte der lateinischen Sprache, der Grammatik und der humanistischen Pädagogik wird nun erstmals für eine heutige Leserschaft erschlossen. Es veranschaulicht auch, wie aus einzelnen philologischen Beobachtungen eine systematische Wissenschaft vom richtigen Schreiben entstehen konnte.
Arius Barbosa: De Orthographia. Zweisprachige Ausgabe von Kai Brodersen.
Opuscula 29, Speyer; KDV 2026
206 S. mit 7 Abb., kartoniert, ISBN 978-3-939526-13-1,10 €
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